Gemeinsamer Antrag Kulturförderung

Die Stadtratsfraktionen von CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen stellen folgenden 

Antrag:

1. Die Verwaltung wird beauftragt, die Fördermittel des Kulturamtes für den Haushalt 2017/2018 um 220.000 Euro zu erhöhen. 
 
2. Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, in dem die Alleinstellungsmerkmale, die theaterpädagogischen Angebote sowie die Förderbedingungen im Sinne eines Leistungsprofils für künftige vertragliche Regelungen dargelegt werden. Im Sinne von „art but fair“ sollen die kultur- und bildungspolitisch verhandelten Leistungen künftig zu einem angemessenen Gagenrahmen der Mitwirkenden führen. 
 
3. Um der Relevanz der urbanen Kultur und der Popkultur für eine moderne Großstadt Rechnung zu tragen, wird die Verwaltung beauftragt, die Rahmen- und Arbeitsbedingungen für die Popkultur zu evaluieren.
 
Begründung:
 
Augsburg besitzt eine ausdifferenzierte, sehr vielfältige und lange gewachsene freie Theaterszene, die einen essentiellen Beitrag zur kulturellen Vielfalt in der Metropole Augsburg leistet. Die freien Theater nehmen insbesondere eine Schlüsselfunktion im Bereich der kulturellen Bildung wahr, da sie mit niederschwelligen Eintrittspreisen Kindern, Jugendlichen und Familien einen Besuch ihrer Aufführungen und damit kulturelle Teilhabe im außerschulischen Raum ermöglichen. Aber auch für Kindergärten und Schulen sind die theaterpädagogischen Programme ein wichtiger unterrichtsbegleitender Faktor. 
 
Die freien Theater aller Genres und Sparten erreichen im Jahr eine Zuschauerzahl von ca. 70.000 Besuchern. Neben den Kinder- und Jugendtheatern im abraxas leisten viele Akteure eine wichtige pädagogische und integrative Arbeit mit zahlreichen Projekten (Bürgerbühnenstücke, interkulturelle Arbeit). Ebenso leisten viele Ensembles mit ihren Arbeiten wichtige Beiträge zu städtischen Veranstaltungsreihen und Festivals und sind mit ihrer oftmals innovativen Arbeit ein wichtiges Scharnier hin zur urbanen Kultur/Popkultur, die insbesondere junge Menschen anspricht.
Unter immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen (Mehrausgaben bei Produktionen, steigende Personalkosten, aufwendige Drittmittelakquise, erhöhter Marketingaufwand etc.) und auf der Basis der gegenwärtigen Bezuschussung können die freien Theater kaum mehr ihrem Bildungsauftrag nachkommen.

Darüber hinaus hat sich die Stadt Augsburg im Hinblick auf Zuschussempfänger zur Überwachung und Einhaltung des Mindestlohns verpflichtet. Viele Künstler, deren Angebote in vielfältiger Weise mit der Kultur- und Bildungslandschaft in Augsburg verwoben sind, leben in prekären Arbeitssituationen. Der Antrag steht daher für die Zukunftssicherung der bestehenden freien Theaterszene und für ein großstädtisches, urbanes Kulturleben.
Mit der Unterstützung der freien Theaterszene wird der Baustein „Theaterlandschaft“ im Kulturentwicklungskonzept (KEK) konzeptionell abgeschlossen.
 
Gemeinsam mit der Popkulturbeauftragten und dem Beauftragten für Kultur- und Kreativwirtschaft sollen in moderierten Formaten die Schaffensbedingungen der Akteure im Bereich der Popkultur/Kreativwirtschaft näher erörtert werden. Hierzu zählt beispielsweise die Ausgestaltung des Popkulturpreises „Roy“ und die Weiterentwicklung des Medienkunstfestivals „LAB 30“ oder auch die Rahmenbedingungen für Künstler im künftigen Gaswerkareal. Hierbei soll im Hinblick auf die Förderfähigkeit auch die Schnittstelle zur Kultur- und Kreativwirtschaft vor dem Hintergrund des Beihilferechts und der Wirtschaftsförderung beleuchtet werden. Daraus sich gegebenenfalls ergebende finanzielle Notwendigkeiten sollen für den ersten Nachtrag 2017 vorgesehen werden. 

(Original als PDF)
 


Veröffentlicht
15:58:00 31.01.2017