CSU-Antrag: Immaterielles Weltkulturerbe Falknerei

Die CSU-Stadtratsfraktion beantragt, die Verwaltung zu beauftragen, den zuständigen Gremien des Stadtrates konkrete Vorschläge für eine Beteiligung der Stadt Augsburg an der Pflege des immateriellen Weltkulturerbes Falknerei vorzulegen. Die für das Weltkulturerbe antragstellenden Verbände insbesondere der deutsche Falkenorden, der Orden deutscher Falconiere und der Verband deutscher Falkner sind dabei einzubeziehen.
 
Begründung:
Auf Antrag der Bundesregierung wurde die Falknerei in Deutschland am 1. Dezember 2016 durch die UNESCO in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
 
In Bayern und ganz besonders in der Renaissancestadt Augsburg finden sich besonders viele historische Spuren der heute wie damals aktuellen und zeitgemäßen Falknerei. Kaiser Maximilian, Romani Imperii Supremus Venator, der stete Besucher und sehr frühe „Fan“ unserer Stadt und seines Jagdrevieres im Rauhen Forst, hinterließ zahlreiche Zeugnisse.
 
Im Weißkunig (1514-1516) ist Maximilian auf der Reiherbeize dargestellt. Frühdrucke von Büchern über die Falknerei gibt es in Augsburg seit den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts. 1480 erschien wohl das erste gedruckte Jagdbuch überhaupt in Augsburg. Der Augsburger Maler Jörg Breu illustrierte 1507 den Fortunatus. Hans Holbein der Jüngere beschäftigte sich durchaus zeitkritisch mit der Falknerei. Das Interesse der Augsburger Künstler hielt über Jahrhunderte an. Johann Elias Riedinger - um einen weltberühmten Jagdkünstler aus Augsburg herauszugreifen - hat die bei Falknerei in Einzelblättern und Folgen detailliert geschildert. Um 1764 erschien in seiner Abbildung der jagdbaren Tiere die Folge Jäger und Falconiers mit ihren Verrichtungen.
 
Gerade solche Darstellungen, die ausschließlich der Falknerei gewidmet sind, sind nach unseren Recherchen anscheinend wesentlich seltener, als man bei der hohen und allgemeinen Wertschätzung der Falknerei im Mittelalter annehmen möchte.
 
Die Aufnahme der Falknerei durch die UNESCO in ihre repräsentative Liste ist nicht nur eine weltweite Anerkennung, sondern auch eine Verpflichtung der staatlichen Organe in Deutschland zur Sicherstellung der Erhaltung, Entwicklung und Förderung des im jeweiligen Verantwortungsbereich vorhandenen immateriellen Kulturerbes.
 
Für die Stadt Augsburg bedeutet die Auszeichnung der Falknerei als immaterielles Weltkulturerbe eine neue, bisher kaum erkannte Aufgabe im Rahmen der städtischen Kulturpflege. Der Prozess der Urbanisierung bedroht dieses immaterielle Welterbe. Gerade in der großstädtischen Bevölkerung wird die Falknerei kaum noch wahrgenommen und anerkannt oder für die breite Öffentlichkeit insbesondere jungen Menschen zugänglich gemacht.
 
Die Aufgabe sollte durchaus als Chance und weniger als lästige Pflicht verstanden und im Zusammenhang mit dem Messestandort Augsburg und der Eigenmesse Jagen und Fischen als Süddeutschlands einziger, europaweit bedeutender Jagdmesse thematisch aufgegriffen und vorbereitet werden.
 
Es kann dabei sogar teilweise auf die Ergebnisse der sehr guten Kooperationen zwischen der Messe Augsburg, den städtischen Kunstsammlungen und den Vertretern der Jagd und Falknereiverbände zurückgegriffen werden, die bis 2014 zu einem sehr gut aufgenommenen, kulturellen Rahmenprogramm von städtischen Kunstsammlungen, Forstverwaltung und Jagdverband im zeitlichen Zusammenhang mit der Messe geführt haben, das leider in dieser Legislaturperiode eingestellt wurde.

Unterzeichner:

Bernd Kränzle, MdL
Fraktionsvorsitzender

Rainer Schaal
Stadtrat

Rolf von Hohenhau
Stadtrat

(Original als PDF)



Veröffentlicht
16:15:00 15.02.2017